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Gründungsmitglieder

Die neun Dolomiten-Teilgebiete | Bletterbach

Beschreibung

Der Bletterbach erstreckt sich auf dem Territorium der Provinz Bozen auf einer Fläche von 271 Hektar und ist somit das kleinste System der UNESCO-Dolomiten. Das Naturdenkmal ist eine enge Schlucht zwischen dem Berg Schönrast und dem Jochgrimm und liegt auf dem Gebiet der Gemeinde Aldein. Geographisch von den anderen Dolomitengruppen abgegrenzt und vom Gipfel des Weißhorn (2.317 m) überragt, wartet der Bletterbach-Canyon mit einer faszinierenden Landschaft auf und ist von außergewöhnlicher geologischer Bedeutung.

Der tiefe Canyon ist das Ergebnis der Erosion und Abtragung der vulkanischen Gesteinsschichten durch den Bletterbach. An seinem tiefsten Punkt ist er bis zu 400 Meter tief, am oberen Ende 200-300 Meter breit, auf dem Grund aber nur mehr 20-30 Meter. Das Bachbett wird an mindestens vier Stellen von bis zu einigen Dutzend Meter hohen Wasserfällen unterbrochen. Im oberen Teil erweitert sich die Schlucht zu einem 600-700 Meter breiten Becken, über dem der Weißhorn aus weißem Dolomitgestein thront.

Beim Abstieg vom Gipfel des Weißhorn bis zum Grund der Schlucht überwindet man einen Höhenunterschied von 900 Metern und begibt sich auf eine einzigartige Reise durch Jahrmillionen Erdgeschichte. Nirgendwo anders in den Alpen liegen die Gesteinsschichten so offen und unversehrt vor den Augen des Beobachters, nirgendwo anders offenbaren sie so viele Details über die Entwicklung der Dolomiten vom Unterperm bis hin zum Massenaussterben des Perm/Trias-Überganges, eines der wichtigsten Ereignisse der Erdgeschichte. 

Schutzgebiete

Angesichts der großen geologischen Bedeutung  des Bletterbachs hat die Gemeinde Aldein den Geopark Bletterbach ins Leben gerufen, der sich von Aldein bis zur Fraktion Radein erstreckt. Der Park ist ein geologischer Park, ein Naturdenkmal, das den Besuchern auf Lehrpfaden und Touren aufschlussreiche Einblicke in den Entstehungsprozess der Erde und insbesondere der Dolomiten sowie die Entstehung des Lebens ermöglicht. Durch den Geopark Bletterbach verläuft der GEO Weg, auf dem man ins Herz des Canyons gelangt, und ein Waldlehrpfad, ein breiter, geschotterter Weg, der auch mit Rollstuhl und Kinderwagen befahrbar ist. Entlang beider Wege sind didaktische Schautafeln mit Informationen über die Flora, die Fauna und die geologische Geschichte des Gebietes aufgestellt. Der Naturpark Trudner Horn liegt ganz in der Nähe des Geoparks Bletterbach und erstreckt sich über eine Fläche von rund 6.800 Hektar, die auf die Gemeinden Altrei, Neumarkt, Montan, Salurn und Truden verteilt ist (www.bletterbach.info und www.provincia.bz.it/natura-territorio/temi/parchi-naturali.asp).

Geologie

Eine uralte Erzählung über eine Erde, die allmählich vom ersten dolomitischen Meer überschwemmt wird

Die Bletterbachschlucht ist zwar das kleinste UNESCO-System, wird aber als „Grand Canyon der Dolomiten“ bezeichnet. Sie wurde vom Bletterbach bis zu 400 m tief ausgehöhlt und ermöglicht einen vollständigen Überblick über die Gesteinsabfolge, die die Entstehung der Dolomiten ab dem Oberperm bis zum Anisium in der mittleren Trias dokumentiert und in der auch jene Schichten enthalten sind, die die Spuren des größten Massensterbens aller Zeiten während des Perm/Trias-Übergangs enthalten.

Die Gesteinsaufschlüsse dokumentieren die Abfolge verschiedener prähistorischer Lebensräume, beginnend beim vulkanischen Gestein bis hin zu marinen Gesteinen des ersten dolomitischen Meeres. Diese dokumentieren bestens den Wechsel zwischen Transgressions- (Überflutung) und Regressionsphasen (Zurückweichen der Küstenlinie) des urzeitlichen Meeres. Eine besonders mächtige Transgressionsphase ermöglichte die Ablagerung fossiler Kalkbänke, die reich an Kopffüßern sind, die eine Terrasse bilden, von der heute ein prächtiger Wasserfall hinabstürzt.

Steigt man die Schlucht entlang, begibt man sich auf eine Reise in die Vorzeit, die mit der Transgression des Oberen Perms und den Ablagerungen der Bellerophon-Gruppe und Evaporiten beginnt; die Evaporiten gehen in Sandablagerungen, Karbonatgesteine und Kalk, Mergeln, Sand- und Tonsteine (Werfen-Formation) über, über die sich Konglomerate einer erosiven Phase (Richthofen-Formation) abgelagert haben, den Abschluss bilden die Kalkbänke des Weißhorns (Contrin-Formation). Der Bletterbach ist in der ganzen Welt wegen seines großen Reichtums an fossilen Abdrücken vieler Reptilienarten des Perms und wegen der Vielfalt an pflanzlichen Fossilienresten aus demselben Zeitraum berühmt.

Geomprphologie

Die tiefe, vom Bletterbach gegrabene Schlucht ist 8 km lang und erstreckt sich über eine Höhendifferenz von 450 m. Der Canyon verläuft zumeist auf einer Ost-West-Achse, die nur manchmal von kurzen, durch tektonische Störungslinien verursachten Mäandern unterbrochen wird. Von allen Systemen des UNESCO-Welterbes ist das Bletterbach-System das geeignetste, um die Prozesse der fluviatilen Erosion zu untersuchen und um zu erfahren, wie diese von der Schichtenarchitektur des Felsuntergrundes, auf den sie einwirken, beeinflusst werden.

Der Durchmesser der Schlucht hängt vom Widerstand ab, den die verschiedenen Gesteinsformationen der Erosion entgegensetzen; so beträgt der Durchmesser im Bereich der harten vulkanischen Porphyrgesteine nur einige Dutzend Meter. Mit abnehmender Härte des Gesteins und insbesondere im Bereich des Grödner Sandsteins, der Evaporiten und der Mergelgesteine der permo-triassischen Schichtfolge erweitert sich der Durchmesser des Canyons auf 200 bis 300 m. Entlang der Schlucht trifft man an Stellen mit Schichten unterschiedlicher Härte immer wieder auf bis zu 10 m hohe Wasserfälle. Der letzte Abschnitt der Schlucht erweitert sich auf eine Breite von 600-700 m; von hier aus hat man einen prächtigen Ausblick auf die Gesteine, die von der Ankunft des ersten Dolomitenmeeres erzählen (Bellerophon und Werfener Formation) und in klarem Kontrast zum fahlen Dolomitgestein des Weißhorns stehen, das ein Rest des triassischen Archipels ist (Contrin-Formation).

In der Umgebung der Schlucht trifft man auf tonreiche Ablagerungen der letzten Eiszeit mit vielen Kieselsteinen, abgerundetem Geschiebe und gestreiften Blöcken. Mit zunehmender Nähe zum Weißhorn häufen sich alte Ablagerungen mit großen Blöcken, die nur zum Teil vom Eisstrom durchmischt wurden. Längs der steilsten Schluchtränder gehen in unmittelbarer Nähe der größten Wasserfälle immer wieder kleinere Muren ab, was als ein Zeichen für die anhaltende dynamische Entwicklung des Bletterbachschlucht gedeutet werden kann.

Dolomiti Project

Museen zwischen Natur und Kultur

Das Bletterbachsystem ist eine Schatztruhe voller geologischer, naturalistischer und kultureller Kostbarkeiten; die Museen und Informationszentren der Umgebung laden zum Entdecken der Sehenswürdigkeiten der Region ein und bieten dem Besucher ein abwechslungsreiches und informatives Angebot.  

Wenige km von Aldein entfernt wurde das Besucherzentrum GEO-Park Bletterbach eingerichtet, in dem auf auch für Kinder leicht verständliche Weise all jene geologischen Prozesse dargestellt werden, die zur Entstehung der Bletterbachschlucht geführt haben (www.bletterbach.info).

Auch im Geologiemuseum in Radein erhält man einen guten Überblick über die Entstehung und die Entwicklung der Bletterbachschlucht aus geologischer Sicht; gute Illustrationen und Fundstücke veranschaulichen die Sedimentationsprozesse, viele Saurierspuren und einzigartige Fossilien von Tieren und Pflanzen aus der Schlucht informieren über die Entwicklung des Lebens in diesem ganz besonderen Lebensraum (www.museum-aldein.com).

Das Mühlenmuseum in Aldein hält die Erinnerung an eine Vergangenheit wach, in der viele Dörfer noch fast völlig abgeschnitten waren und selber für ihre Versorgung aufkommen mussten. Die alten Mühlen wurden restauriert, sind heute wieder funktionsfähig und können besichtigt werden. Im Museum wurde auch eine alte Schmiede aufgebaut, daneben werden auch längst in Vergessenheit geratene Arbeitsgeräte wie der Stampf, die Rendl und die Wollzaus sowie die Arbeitsgeräte des Schmiedes ausgestellt.

Das Aldeiner Dorfmuseum stellt hingegen eine hohe Anzahl wertvoller sakraler Gegenstände aus der Barock- und Rokokozeit aus. Diese und weitere wertvolle Kunststücke machen diese Ausstellung zu einer der wichtigsten ihrer Art im Lande.

Wanderwege und Exkursionen

Von Aldein bis zum Weißhorn

Diese mittelschwere Wanderung eignet sich für geübte Bergsteiger und dauert gut sechs Stunden. Von Aldein wandert man zur Lahner Alm und von dort aus auf der Forststraße weiter in Richtung Kösertal; hier kann man zwischen drei Wegvarianten wählen:

  • Man geht rechts auf dem Weg Nr. 5 weiter an einem Jägerkreuz vorbei und steigt anschließend über den Nordgrat des Weißhorns nach oben. Der Weg ist ziemlich steil, bietet jedoch einen atemberaubenden Blick auf die Bletterbachschlucht
  • Auf dem Forstweg und dem Weg Nr. 9 kommt man bis zur Neuhütt-Alm; von dort geht man auf dem Forstweg (Weg Nr. 2) weiter bis zur Auerleger Alm und sodann bis Jochgrimm hinauf. Der Weg H führt dann direkt zum Weißhorn hinauf
  • Auf den Wegen Nr. 5 und 5A erreicht man den Weg Nr. 1, der uns über die Hoferwiese bis zum Jochgrimm bringt. Von dort aus geht es wie bei der zweiten Variante über den Weg H zum Weißhorn hoch.

Der Rückweg ist für alle drei Wegvarianten gleich. Vom Gipfel des Weißhorns kommt man über den Wanderweg H zur Gurndinalm; hier biegt man rechts auf den Wanderweg N, dann auf den Wanderweg Z (Zirmersteig) ab, bei der Gabelung geht es dann rechts auf dem Gorzsteig G weiter. Schließlich steigt man in die Bletterbachschlucht hinab, überquert die Schlucht und steigt dann wieder hinauf bis zur Lahneralm und weiter bis zur Schmiederalm. Hier folgt man dem Wanderweg S (Nr. 2), der auf die Landesstraße und dann zum Ausgangspunkt Aldein führt.

In der Bletterbach-Schlucht

Die Wanderung ist ein leichter, rund zweieinhalb Stunden langer Spaziergang für alle durch die Bletterbachschlucht.
Ausgangspunkt der Wanderung ist das Besucherzentrum des Geoparks. Von dort aus folgt man dem Weg Nr. 3, der zum „Taubenleck“ in die Schlucht hinunterführt. Einmal im Canyon, geht man nun das Bachbett entlang weiter aufwärts bis zum Butterloch-Wasserfall. Von hier aus kommt man über den Jägersteig wieder zurück zum Besucherzentrum.

Dolomitensagen

Auch in der unwirklichen Landschaft der Bletterbachschlucht erzählt sich die einheimische Bevölkerung Geschichten über sagenhafte Gestalten. Die Sage über den Riesen Grimm ist eine mythische Erklärung für die Form des Canyons und seine erstaunlichen Farbkontraste.

Die Sage vom Riesen Grimm

Vor langer Zeit hauste auf dem Jochgrimm zwischen dem Weiß- und dem Schwarzhorn der Riese Grimm. Er wählte die schöne Hilde zur Braut, die Tochter eines Edelmannes aus dem Eggental. Eines Tages raubte er sie und brachte sie auf seine Burg in den Bergen. Der verzweifelte Vater des Mädchens bat den berühmten Ritter Dietrich von Bern um Hilfe, um seine Tochter zu befreien. Dietrich von Bern forderte den Riesen zum Zweikampf heraus und besiegte ihn in der Salurner Klause. Wutentbrannt zog sich darauf der Riese auf seinen Berg zurück und bewarf die nachrückenden Ritter, die zum Jochgrimm hinauf wollten, um die schöne Hilde zu befreien, mit riesigen Felsbrocken, die er aus den umliegenden Bergen und aus dem Grundstock des Weißhorns riss, bis der Gipfel einstürzte. Unter den Trümmern des Berges wurden nicht nur die Ritter, sondern auch der Riese samt seiner Gefangenen begraben. Das Blut der Getöteten färbte die Wand des Bletterbachs unter dem Gipfel für immer und ewig rot; sie hebt sich auch heute noch deutlich von dem umliegenden weißen Dolomitgestein ab und der Farbkontrast verblüfft immer noch aufmerksame Beobachter.

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