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Die universellen Werte | Der Wert der Landschaft

“Die Dolomiten werden seit jeher als eine der schönsten Berglandschaften der Welt angesehen.
Ihre besondere Schönheit beruht auf ihrer spektakulären vertikalen Formenvielfalt: Zinnen, Spitzen und Felsnadeln stehen im starken Kontrast zu horizontalen Felsvorsprüngen, Plattformen und Hochebenen und erheben sich steil und abrupt über ausgedehnte Geröllhalden und sanfte gewellte Hügellandschaften.
Die große Farbenvielfalt der Dolomiten ergibt sich aus dem Kontrast zwischen den nackten Felswänden der Gipfel und den Wäldern und Wiesen der Hochtäler und Almen.
Hohe Berggipfel erheben sich über tiefe Schluchten, manchmal einsam und erhaben, oft aber auch als Teil gewaltiger, ineinander übergehender Bergmassive. Manche dieser Felstürme erreichen eine Höhe von mehr als 1.600 Metern und gehören somit zu den höchsten Kalksteinwänden der Welt. Das einzigartige Szenario der Dolomiten gilt als Archetyp der ‘Dolomiten-Landschaft’ schlechthin. Die Pioniere der Geologie wurden als erste von der Schönheit dieser Bergmassive angezogen. Ihre Werke, Gemälde und Fotografien bezeugen die unwiderstehliche Ausstrahlung, die von diesen Bergen ausgeht”.

(UNESCO, Erklärung zum aussergewöhnlichen universellen Wert, Kriterium VII:
die Güter weisen überragende Naturerscheinungen oder Gebiete von außergewöhnlicher Naturschönheit und ästhetischer Bedeutung auf)

 

Die Dolomitenlandschaft

Die Dolomitenlandschaft wird in ihre wichtigsten Landschaftselemente unterteilt, um häufige auftretende und in der ganzen Region wiedererkennbare geomorphologische Strukturen hervorzuheben.
Diese Landschaftselemente beruhen auf der engen Beziehung zwischen ihrem geologischem Ursprung, ihrer geomorphologischen Struktur und der Beschaffenheit der Oberböden.

Die typische Morphologie dieser Landschaften lässt sich in vertikaler Reihenfolge (von unten nach oben) wie folgt beschreiben:

  • breite, leicht gewellte Sockel, zu deren Entstehung mehrere geologische Faktoren beitragen haben;
  • mächtige Schutthalden am Fuß der Dolomitenwände;
  • horizontale Landschaftselemente zwischen den Felswänden, die großflächige Terrassen und starke Farbkontraste erzeugen;
  • große, fast vertikal aufragende weiße Felswände mit großer Formenvielfalt, die sich steil über dem Boden erheben und somit eine große Reliefenergie aufweisen.

Ausschlaggebend für die Charakterisierung eines Landschaftselementes sind neben der Geländemorphologie auch die landschaftsformenden Eigenschaften der Vegetationsbedeckung sowie die Arten- und Lebensraumvielfalt, die Form und Struktur der Vegetationsgemeinschaften und letzthin auch die jahreszeitlich bedingten Farbvariationen der Landschaft.
Im Hochgebirge hängen die Artenzusammensetzung und die Struktur der Vegetation von der Höhenstufe ab: die Höhenlagen unterhalb der Waldgrenze zeichnen sich durch Nadelwälder und subalpine Strauchvegetation aus, die Gebiete oberhalb der Waldgrenze hingegen durch weitflächige alpine Rasen und durch von der Form und Struktur her unterschiedliche, auf Felsen und Geröll vorkommende Vegetationsgesellschaften, von denen viele nur in den Dolomiten vorkommen.

Insgesamt jedoch ist die Zusammensetzung der Landschaftselemente sehr dynamisch und in ihrem Wandel dem Einfluss natürlicher und anthropogener Faktoren unterworfen.

Cesare Micheletti

Die erhabene Schönheit der Bleichen Berge

Seit jeher haben die Dolomiten in jedem ihrer Besucher einen großen Eindruck hinterlassen und dessen Phantasie angeregt. Inspiriert von den gewaltigen Felsriesen der Dolomiten erzählen sich die Bewohner dieser Berge seit Urzeiten alte Sagen und Legenden, die einen grundlegenden und unverzichtbaren Bestandteil ihrer kulturellen Identität darstellen.
Auf die wissenschaftliche Erschließung der Dolomiten folgte der Ansturm der Reisenden der Romantik, die hier nun jene wirklich existierenden Landschaften zu Gesicht bekamen, die sie bis dahin nur von Gemälden her kannten. Niemand konnte sich der außergewöhnlichen Anziehung der Dolomiten entziehen, und auch heute gelten sie weltweit als “die schönsten Berge der Welt”.

Aber worauf beruht die Schönheit der Dolomiten? Worin liegt das Geheimnis ihrer unwiderstehlichen Ausstrahlung? Weltweit gelten die Dolomiten als Beispiel für die Ästhetik des Erhabenen, eine philosophische Richtung, die sich in den Jahren unmittelbar vor ihrer „Entdeckung“ entwickelte. Die Dolomiten wurden ein Modell von grundlegender Bedeutung für diese Denkrichtung und trugen so zur Definition des modernen Begriffs von Naturschönheit bei.

Die allerersten Abbildungen dieser Berge waren keine Zeichnungen oder Malereien, sondern Beschreibungen – Worte, die von außergewöhnlichen Visionen und mächtigen Gefühlen erzählten. Sie beseelten den Geist und inspirierten mit fast unwiderstehlicher Kraft die ersten wissenschaftlichen Berichte und Reisebeschreibungen. Die Worte, mit denen man dem Charakter der Dolomiten Ausdruck verlieh, entsprechen genau den Kategorien des Erhabenen: Vertikalität, Großartigkeit, Monumentalität, unruhige Formen, essenzielle Reinheit, Intensität der Farben, Staunen, mystische Askese, Transzendenz.

Loredana Ponticelli

Die szenografischen Werte

Die eigens für die Welterbe-Kandidatur der Dolomiten entwickelte und von den Organen der UNESCO als innovativ angesehene Methodik zur Untersuchung landschaftlicher Werte hat ergeben, dass die Dolomiten der universelle Archetyp einer besonderen Berglandschaft sind, die auch ihren Namen trägt: die Dolomitenlandschaft.

Die Schlüsseleigenschaften dieses besonderen Landschaftstypus sind vielfältig: An erster Stelle steht die sehr abwechslungsreich gestaltete Landschaftsstruktur, die sich durch isolierte, auf engem Raum zusammenstehende Berggruppen auszeichnet, an zweiter Stelle die außergewöhnliche Formenvielfalt der vertikalen Strukturen wie Zinnen, Zinken, Felsnadeln und Türme und der horizontalen Landschaftselemente wie Felsbänder, Vorsprünge, Glacis und Hochebenen. Bekannt sind die Dolomiten aber vor allem aufgrund ihrer ungewöhnlichen Farbenvielfalt und des Kontrasts zwischen den weichen Linien der Wiesen und den abrupt vertikal ansteigenden mächtigen, gänzlich nackten Gipfeln.
Die Ähnlichkeit dieser “Karbonatgebäude” mit wohlbekannten und leicht stilisierbaren geometrischen Figuren und Körpern wie Prismen, Parallelepipeden oder Kegeln hat dazu geführt, dass diese Berge eher als künstliche Strukturen denn als natürlich entstandene Gebilde wahrgenommen werden.

In der bildschöpferischen Vorstellung der ersten Bewohner waren die Dolomiten eine legendäre, epische und somit mythologische Welt. Für die Intellektuellen der Romantik waren die Dolomiten aufgrund ihrer gigantischen Größenordnung und der Größenverhältnisse die Ruinen einer einst von Titanen bewohnten Stadt und für den modernen Architekten Le Corbusier schließlich “les plus belles constructions du monde”.

Auch anderswo benannte man Gebirge mit ähnlich machtvollen Formen nach ihnen und so wurde ihr Name zu einem weltweit verwendeten Begriff: „Dolomiten“ gibt es in Frankreich (Dolomites Francaises), in Österreich (Lienzer Dolomiten, Salzburger Dolomiten), in der Schweiz (Unterengadiner Dolomiten), in Italien (Dolomiti Lucane, Dolomiti Siciliane), in Norwegen (Porsangerdolomitt) und in Slowenien (Polhograjski Dolomiti).

Cesare Micheletti

Die Naturerscheinungen

Die Dolomiten hinterlassen bei jedem Besucher unauslöschliche Eindrücke, die sich durch eine einzigartige Naturerscheinung, das Enrosadira genannte Alpenglühen, noch vertieft werden.
Durch die besondere Struktur und Zusammensetzung des Dolomitgesteins und durch die Änderung der Lichtverhältnisse im Tagesverlauf zeigen die Felswände der Dolomiten ein spektakuläres Farbenspiel: so leuchten sie während des Sonnenaufgangs und –untergangs in warmen Farbtönen (orange, rot, violett), in der Mittagssonne wirken sie blass und verschwommen, in der Dämmerung und im Licht des Mondes hingegen kalt und übernatürlich – daher auch der Name Bleiche Berge. Obwohl es in den Dolomiten weder die höchsten Gipfel noch die größten Gletscher noch die noch die weitläufigsten Wildnisgebiete der Erde gibt, so sind sie doch weltweit das einzige Gebiet, in dem blasses Dolomitgestein zusammen mit dunklem Vulkangestein auftritt.

In der Dolomitenregion gibt es auch ungewöhnlich viele Dreitausender (über 100) sowie zahlreiche kleinere Gletscher und ewige Schneefelder in eher niedrigen Lagen. Die senkrechten, sehr steil aufragenden, 800 bis 1600 Meter Höhe hohen Felswände und die mit 500 bis 1500 m außerordentlich tiefen Schluchten verleihen den Dolomiten eine erstaunliche morphologische Vielfalt und tragen maßgeblich zu ihrer natürlichen Schönheit bei.

Loredana Ponticelli

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