„Verletzbarkeit und Schönheit sind zwei Seiten derselben Medaille“, kommentierte der Präsident der Provinz Belluno und neue Vorsitzende der Stiftung Dolomiten UNESCO, Roberto Padrin, anlässlich der Amtsübergabe von seinem Vorgänger Stefano Zannier, Assessor für Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und Berggebiete der Autonomen Region Friuli Venezia Giulia. „Die Wirtschaft vieler Täler“, so Padrin, „hängt eng mit dem Besucheraufkommen zusammen. Es ist daher unvermeidlich, dass die Schönheit der Dolomiten, verstärkt durch die Verbreitung bestimmter Bilder, den Wunsch weckt, sie zu besuchen. Unsere Aufgabe ist es, an Nachhaltigkeit, Bewusstsein und Verantwortung zu arbeiten – so wie die Stiftung dies in den vergangenen Jahren unter Einbeziehung zahlreicher regionaler Akteure getan hat.“
„Die Lage ist heikel, aber gerade deshalb besonders motivierend“
Der Verwaltungsrat, der am 1. September im Palazzo Piloni, dem Sitz der Provinzverwaltung von Belluno, tagte, hat auch die Ernennung von Peter Brunner zum Vizepräsidenten bestätigt. Brunner ist Landesrat für Umwelt-, Natur- und Klimaschutz, Energie, Raumentwicklung und Sport der Autonomen Provinz Bozen – Südtirol.
Die Satzung der Stiftung Dolomiten UNESCO sieht vor, dass der Vorsitz alle drei Jahre, in alphabetischer Reihenfolge, von jenen Gebieten übernommen wird, die Teil des Dolomiten UNESCO Welterbes sind. Den Anfang machte 2010 Belluno, gefolgt von Bozen, Pordenone, Trient und Udine.
„Mein Dank gilt dem scheidenden Präsidenten Stefano Zannier sowie dem gesamten Verwaltungsrat der Stiftung für die in den vergangenen Jahren geleistete Arbeit“, erklärte Roberto Padrin. „Mir ist bewusst, dass ich dieses Amt in einer äußerst heiklen, zugleich aber auch sehr motivierenden Phase übernehme. Auch in diesem Sommer konnten wir beobachten, dass es einerseits Gebiete gibt, in denen der Besuch der Dolomiten entschleunigt und nachhaltig erfolgt, andererseits aber Hotspots, die unter Overtourism und mangelndem Bewusstsein für die Verletzbarkeit des Gebiets leiden.“
„Die UNESCO-Anerkennung ist kein touristisches Label“, so Padrin abschließend, „sondern eine Verpflichtung der Gemeinschaften, das uns anvertraute Erbe an die kommenden Generationen weiterzugeben. Die Stiftung Dolomiten UNESCO hat dabei die äußerst wichtige Aufgabe, die Zusammenarbeit zwischen den Einrichtungen zu fördern, die dieses Erbe verwalten, sowie den Zustand dieses Gutes zu überwachen und darüber Rechenschaft abzulegen.“
Grußwort von Stefano Zannier: Eine Reflexion über die vielen (und unterschiedlichen) Gegebenheiten in den Dolomiten
Der scheidende Präsident Stefano Zannier richtete seine besten Wünsche an Roberto Padrin und dankte dem gesamten Verwaltungsrat, den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirates und des Technischen Komitees, den Mitarbeitern, den Verwaltungsmitarbeitern der Provinzen und Regionen, die in den funktionellen Netzwerken tätig sind, sowie den zahlreichen Fördermitgliedern der Stiftung.
„Die Werte der UNESCO-Anerkennung verbinden die Dolomiten von Friuli, Belluno, Trentino und Südtirol“, erklärte Zannier, „doch die historischen, wirtschaftlichen sowie kulturellen Gegebenheiten unterscheiden sich stark – genau darin liegt der besondere Reichtum des Dolomitengebiets. Unterschiedliche Situationen erfordern demnach unterschiedliche Mittel und Ziele: Das gilt zum Beispiel für den Tourismus, wo manche Gebiet unter Überlastung leiden, während andere kaum besucht werden. Nur wenn wir die verschiedenen Kontexte verstehen, können wir den Paradigmenwechsel, den wir derzeit erleben, richtig einordnen: die wachsende Bevölkerung in den Bergregionen, die allerdings sehr ungleich verteilt ist. Die vergangenen drei Jahre an der Spitze der Stiftung Dolomiten UNESCO haben mir gezeigt, dass die gebündelten Erfahrungen aller Beteiligten helfen können, in jeder Situation den richtigen Ansatz zu finden.“
„Ich habe meine dreijährige Amtszeit nach der COVID-Pandemie begonnen. Diese Zeit markierte einen Wendepunkt im Besucheraufkommen in den Bergen, oft geprägt von Unvorbereitetheit und Leichtsinn“, so Zannier. „An genau diesem Thema haben wir intensiv gearbeitet, unter Einbeziehung zahlreicher Einrichtungen und diversen Vereinen, mit der Überzeugung, dass der Modus Operandi der Stiftung nur einer sein kann: Netzwerken – sowohl zwischen den verschiedenen Verwaltungen als auch zwischen diesen und dem gesamten Gebiet.“
Einige Projekte
Die Übergabe bot zugleich die Gelegenheit, eine Bilanz über einige Projekte zu ziehen, die neben der regulären Arbeit der Stiftung und ihrer Netzwerke hinzugekommen sind. Der scheidende Präsident erwähnte einige Projekte, die darauf abzielen, einen entschleunigten und bewussteren Zugang zu den Berggebieten zu fördern, wie etwa den „Dolomites World Heritage Geotrail“, der Routen, ein Webportal und seit diesem Jahr auch eine Wanderausstellung umfasst. Dazu zählen außerdem Projekte zur Vorsicht und Achtsamkeit in den Bergen, die in Zusammenarbeit mit zahlreichen regionalen Akteuren umgesetzt wurden, sowie Analysen im Rahmen der Bewirtschaftung von Mähwiesen. Hinzu kommen Fortbildungen für Gemeindeverwalter, Lehrpersonen und Hüttenwirte, wobei letztere auch seit vielen Jahren in Kommunikationskampagnen und Netzwerkprojekten aktiv sind, sowie die Aufwertung der Arbeit der Qualitätsproduzenten des Welterbes.
In puncto Bewusstsein darf auch das Engagement für eine verantwortungsvolle Kommunikation über das Welterbe nicht vergessen werden. Dies hat eine Auseinandersetzung mit dem Widerspruch zwischen bestimmten in den sozialen Netzwerken verbreiteten Botschaften und den Werten der UNESCO-Anerkennung angestoßen und zur Entwicklung eines „Kodex für verantwortungsvolle Kommunikation der Dolomiten“ (Codice della comunicazione responsabile per le Dolomiti) geführt. Daneben sind auch direkte Initiativen zur Vermittlung der Werte des Erbes und der dort lebenden Menschen, zu nennen, wie die Fortführung der Sendung „Noi Dolomiti“, die Kampagne #hüttenleben und die Produktion von neun Dokumentarfilmen, die die Geschichte des Alpinismus mit den geologischen Besonderheiten der Dolomiten verknüpfen und 2026 veröffentlicht werden sollen.

