
#HÜTTENLEBEN für einen bewussteren Tourismus in den Bergen
Am 13. und 14. November 2025 fand in Sèn Jan im Fassatal (Trentino) das neunte Treffen der Hüttenwirte des Kerngebiets des Dolomiten UNESCO Welterbes statt. Die Initiative der Stiftung Dolomiten UNESCO fand in den vergangenen Jahren bereits in Predazzo (Trentino), Brixen (Südtirol), Val di Zoldo (Belluno), Primiero San Martino di Castrozza (Trentino), St. Vigil in Enneberg (Südtirol), Pieve di Cadore (Belluno) sowie in Claut und Cimolais (Pordenone) statt.
Es handelte sich um zwei intensive Tage, an denen Hüttenbetreiber Wissen über das gastgebende Gebiet erlangten und die mittlerweile fast zehnjährige Weiterbildung über das Welterbe fortsetzten. Wie jedes Jahr bot das Treffen Raum für Austausch und Reflexion darüber, wie die eigene Rolle in einem sich rasch wandelnden natürlichen und gesellschaftlichen Umfeld zu verstehen ist. Aus diesen Treffen sind im Laufe der Jahre zahlreiche Initiativen hervorgegangen, die die Hüttenwirte, die wahren Wächter des Welterbes, in die Herausforderungen im Hochgebirge sowie in die Kommunikation mit den Gästen einbeziehen. Damit wird ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein und ein größerer Respekt der Besucher gegenüber dem Naturerbe gefördert.
Am ersten Tag erkundeten die Hüttenwirte die geologische Landschaft der Rosengartengruppe in der Gegend von Gardeccia, begleitet von Piero Gianolla, ordentlicher Professor für Geologie an der Universität Ferrara. Anschließend gab es im Tal eine Einführung in das gastgebende Gebiet. Der Nachmittag begann mit Begrüßungsworten von Giulio Florian, Bürgermeister von Sèn Jan, von Edoardo Felicetti, Procurador vom Comun General de Fascia, und von Elena Testor, Senatorin. Es folgten Beiträge des Tourismusverbands Val di Fassa und von Roberta Silva, Hüttenwirtin der Rotwandhütte und Präsidentin der Associazione Rifugi del Trentino. Im Mittelpunkt standen zwei zentrale Herausforderungen der Zukunft, nämlich die Veränderungen der geologischen Umwelt sowie die Rolle der Hüttenbetreiber angesichts der sich wandelnden Erwartungen der Besucher. Dazu sprachen der Geologe Franco Daminato des Servizio Geologico der Autonomen Provinz Trient sowie Alessio Bertò, Leiter des Ufficio interventi tecnici, patrimonio alpinistico e termale des Servizio Turismo e Sport der Autonomen Provinz Trient.
Der zweite Tag war wie üblich dem offenen Austausch zwischen den Hüttenwirten gewidmet. Dabei ging es um den Verlauf der vergangenen Saison, um neue Herausforderungen und altbekannte Schwierigkeiten – etwa rund um dem Wasserkreislauf von der Wasserversorgung bis zur Abwasserentsorgung – sowie um die Notwendigkeit eines umsichtigeren, geduldigeren und bewussteren Bergbesuchs. Die Diskussion wurde durch Beiträge verschiedener Gesprächspartner bereichert, darunter Fausto Lorenz, Präsident des Tourismusverbands Val di Fassa, Geologe Piero Gianolla, Roberto Bertoldi, Vorsitzender der Commissione Rifugi der Società Alpinisti Tridentini und Mara Namela, Direktorin der Stiftung Dolomiten UNESCO.
Beim Treffen wurde außerdem gemeinsam das Thema Grenzen in all seinen Formen beleuchtet: die Grenzen einiger Gebiete der Dolomiten hinsichtlich Ankünfte und Besucherzahlen, die Grenzen der Schutzhütten selbst, die keine Restaurants oder Hotels sind und auch nicht werden sollen, sowie die durch die Klimakrise gesetzten Grenzen. Letztere haben das Problem der Wasserversorgung verschärft und erfordern einen vorausschauenden Ansatz in den Bergen, die schnellen und oft unvorhersehbaren Veränderungen unterworfen sind. Es wurden viele Erfahrungen von Hüttenwirten vorgestellt, die in sehr unterschiedlich ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Gegebenheiten arbeiten. Diese Unterschiede machen es einerseits unmöglich, ein allgemeingültiges „Rezept“ für einen nachhaltigen Bergtourismus in den Dolomiten zu finden. Andererseits regen sie zum Nachdenken über die Komplexität des Gebirges an und über die Notwendigkeit, den Dialog sowie den Austausch bewährter Praktiken fortzusetzen.
Diese Aktivität ist Teil des Projekts „Bildung von Fähigkeiten und Kompetenzen. Stärkung des sozialen und territorialen Kapitals des UNESCO Welterbes Dolomiten (WHS) für eine dauerhafte und nachhaltige Entwicklung der lokalen Gemeinschaften“, das mit Unterstützung des Fonds für Anrainergemeinden durchgeführt wird.