Zwei Jahre „EKCNA“ Welterbe

Am 19. September 2023 beschloss das Welterbekomitee in Riad (Saudi-Arabien) die Aufnahme der sechsten italienischen Naturstätte in die Welterbeliste der UNESCO. Es handelt sich um die Evaporitic Karst and Caves of Northern Apennines (EKCNA). Am 28. November findet in Bologna, im Sitz der Region Emilia-Romagna, sowie online unter diesem Link die Tagung zum Thema „Vermittlung und Interpretation des Welterbes – Die EKCNA-Stätte Karst und Höhlen in den Evaporiten des Nördlichen Apennins zwei Jahre nach der Anerkennung“ (Divulgazione ed interpretazione del patrimonio mondiale – il sito EKCNA Carsismo e Grotte nelle Evaporiti dell’Appennino Settentrionale a 2 anni dal riconoscimento) statt.

Condotto della grotta di Cà Castellina - foto FSRER

Ph. EKCNA

Das Welterbe vermitteln und interpretieren

Die Stätte „Karst und Höhlen in den Evaporiten des Nördlichen Apennins“ umfasst sieben „component sites“, in denen 26 Karstformen, einige davon weltweit zum ersten Mal beobachtet, sowie über 900 Höhlen und salzhaltige Quellen, 22 Mineralarten und 34 Speläotheme zu finden sind. Es handelt sich um ein wahres Geologielabor, das teils unterirdisch, teils oberirdisch verläuft. Auch wenn es nicht immer einfach ist, Geologie zu vermitteln, kann das Bewusstsein für die Einzigartigkeit dieser Stätten nur auf einem Verständnis der Werte basieren, die ihre Aufnahme in die Welterbeliste der UNESCO ermöglicht haben, wie Dr. Monica Palazzini, Verwaltungsmitarbeiterin der Region Emilia-Romagna EKCNA Focal Point, erklärt:

„Es stimmt: Geologische Werte sind nicht leicht zu vermitteln. Hinzu kommt, dass einige Aspekte des Karstes nur unter bestimmten Umwelt- und subjektiven Bedingungen besichtigt werden können: Nicht alle Besucher können eine Höhlenbesichtigung unternehmen.

Deshalb arbeiten wir daran, einige Aussichtspunkte zu schaffen, also ein oder zwei natürliche Terrassen für jede component site. Sie werden mit einer Beschilderung ausgestattet und sich an markanten Orten befinden, von denen aus man die Besonderheiten der verschiedenen Aufschlüsse gut erkennen kann. Neben der Erstellung von Video- und Printmaterialien fördern wir zahlreiche Veranstaltungen. Dabei werden wir von Naturvermittlern unterstützt, die auf den Dialog mit Wissenschaftlern spezialisiert sind und geologische Themen den Menschen näherbringen können.“

Apropos Komplexität: Wie bereits erwähnt, handelt es sich um eine serielle Stätte, was bedeutet, dass zahlreiche Einrichtungen an ihrer Verwaltung beteiligt sind. An erster Stelle steht die Region Emilia-Romagna, zu der der World Heritage EKCNA Focal Point gehört, gefolgt vom Nationalpark Appennino Tosco-Emiliano, drei Provinzen, die Metropolitanstadt Bologna, 19 Gemeinden und vielen mehr.

„Die Verwaltung ist entsprechend komplex und ihre Koordination sehr wichtig: Wir arbeiten derzeit an einer gemeinsamen Führungsstrategie des Guts und an einem Plan zur Gestaltung der Besuchserlebnisses. Außerdem haben wir das Logo und die Vorschriften für dessen Verwendung ausgearbeitet. Um diesen Prozess zu fördern, unterstützen wir gemeinsame Projekte, insbesondere mit Schutzgebieten, die bereits an die Arbeit im Netzwerk gewöhnt sind. In dieser Phase ist die Koordination entscheidend. Um nur ein Beispiel zu nennen: Angesichts der UNESCO-Anerkennung ist es sinnvoll, dass sowohl Führer als auch Gemeindeverwalter über die Merkmale aller component sites informiert sind. Zum Glück hat die Anerkennung vor zwei Jahren großen Stolz und viel Begeisterung ausgelöst!“

Das geologische Erbe im Mittelpunkt

Die Veranstaltung am 28. November wird von der Region Emilia-Romagna gefördert und beginnt mit einer Begrüßung durch Cleto Carlini, Generaldirektor Cura del Territorio e dell’Ambiente und einer Einführung durch Gianni Gregorio, Leiter Settore Aree protette, Foreste e Sviluppo delle zone montane. Zahlreiche Fachleute werden daran teilnehmen (hier das Programm) und den Anwesenden ihre Erfahrungen vorstellen, darunter auch Mara Namela, Direktorin der Stiftung Dolomiten UNESCO. Die zentrale Bedeutung der Geologie und die Serialität des Guts sind Merkmale, die die beiden Stätten miteinander verbinden: Auch der Karst und die Höhlen in den Evaporiten des Nördlichen Apennins erzählen einen besonders wichtigen Abschnitt der Erdgeschichte, insbesondere die Kombination zweier außergewöhnlicher geologischer Ereignisse, die die Erde geprägt haben und deren Auswirkungen in den Kreide- und Salzablagerungen nebeneinander deutlich sichtbar sind. Das erste Ereignis ist die Öffnung Pangäas mit der Entstehung des Tethysmeeres vor 200 Millionen Jahren, das zweite die Messinische Salinitätskrise, eine ökologische Wende, die das Mittelmeer vor 6 Millionen Jahren betroffen hat.