
Geotrekking in den Parks des Welterbes
Vom 25. bis 28. September fand in Catania und Ragalna eine Tagung der Associazione Italiana di Geologia e Turismo unter der Schirmherrschaft der Associazione Italiana di Vulcanologia statt. Das von den Veranstaltern gewählte Thema ist, auch für das Dolomitengebiet, aktueller denn je: „Geotourismus: Gebiete entdecken im Bewusstsein ihrer Schätze und ihrer Verletzbarkeit“ (Geoturismo: esplorare il territorio con la consapevolezza della sua ricchezza e delle sue fragilità).
Es handelte sich um vier Tage des Austausches und mit praktischen Erfahrungen, auch dank der Exkursionen auf den Ätna, der am 21. Juni 2013 in die Welterbeliste aufgenommen wurde. Zu den Gründen für den ihm zugesprochenen außergewöhnlichen universellen Wert gehört, wie auch im Fall der Dolomiten, seine Bedeutung für die Geowissenschaften: Der Ätna zählt zu den am besten erforschten und überwachten Vulkanen der Welt.
Unter den bei der Tagung diskutierten Erfahrungen fand sich auch das Dolomiten UNESCO Welterbe, das die Vermittlung eines weltweit einzigartigen geologischen Erbes fördert. Zugleich wird angestrebt, den Bergbesuch weniger oberflächlich zu gestalten, als es in einigen Dolomitengebieten bisweilen zu beobachten ist.
Prof. Piero Gianolla, Geologe an der Universität Ferrara und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung Dolomiten UNESCO, stellte die Erfahrungen bei der Verbreitung des geologischen Erbes der Dolomiten vor.
In seinem Vortrag betonte er, dass die Welterbestätte Dolomiten als serielles Gut – bestehend aus neun verschiedenen, aber eng verbundenen Teilgebieten – einer integrierten Vermittlung bedarf, die sowohl die landschaftliche Schönheit als auch den wissenschaftlichen Wert hervorhebt und erklärt.
Die Serialität des Guts bestimmt auch die Methode, mit der die Stiftung Initiativen zur Vermittlung des geologischen Erbes umsetzt: Sie ist auf Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Gebietskörperschaften ausgerichtet.
Besonders aktiv bei der Umsetzung von konkreten Projekten ist das Netzwerk Geologisches Erbe: von Ausstellungen über geotouristische Routen bis hin zu Forschungsprojekten, beispielsweise zu geologischen Besonderheiten und zur neuen lithologisch-strukturellen Karte der Dolomiten.
Die durchgeführten Aktionen, so Gianolla, beruhen auf dem Bewusstsein, dass Naturschutz und wirtschaftliche Entwicklung in Einklang gebracht werden müssen. Sie fördern Erfahrungen, die auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sind. Ein Beispiel dafür ist das Portal „Dolomites World Heritage Geotrail“, das vor Kurzem um die Wanderausstellung „Dolomiten: Wandern durch die Wunder der Geologie“ (Dolomiti: in cammino nella geologia della meraviglia) erweitert wurde. Diese verbindet wissenschaftliche Genauigkeit mit künstlerischem Ausdruck und zielt darauf ab, sowohl die Bevölkerung als auch die Besucher einzubeziehen.
Kurz gesagt bemüht man sich darum, „einen bewussten und verantwortungsvollen Tourismus zu fördern“, so Prof. Gianolla. Zwar sind die ersten Rückmeldungen positiv, was die Teilnahme an den Initiativen betrifft, doch „bleibt es weiterhin eine Herausforderung, dass diese auch das Verhalten der Besucher spürbar positiv verändern“.
Um die außergewöhnliche Geodiversität der Dolomiten zu vermitteln, muss man sie zunächst kennen.
Wie Dr. Claudia Morabito vom Dipartimento di Geoscienze der Universität Ferrara in ihrem Vortrag hervorhob, ist eine objektive Erfassung der geologischen Besonderheiten der Dolomiten sowohl für ihre bestmögliche Vermittlung als auch für ihre optimalste Erhaltung unverzichtbar. Sie bezeichnete die Dolomiten als ein „natürliches Hochgebirgslabor“.
In den letzten Jahren wurde zu diesem Zweck eine Bestandsaufnahme begonnen, die unter anderem Kriterien wie Repräsentativität, Einzigartigkeit, Verletzlichkeit, Zugänglichkeit, das Vorhandensein wissenschaftlicher Veröffentlichungen sowie die wichtigsten geologischen Merkmale, darunter stratigrafische, sedimentologische, paläontologische, vulkanologische, strukturelle und geomorphologische Aspekte, berücksichtigt.
Wie bei vielen Beiträgen der Tagung deutlich wurde, sind wissenschaftliche Forschung und Vermittlung zwei Seiten derselben Medaille: Beide tragen dazu bei, den Wert der UNESCO-Anerkennung zu unterstreichen, die der Förderung von Bildung, Wissenschaft und Kultur dient. Ein Bergbesuch, der den außergewöhnlichen universellen Wert wahrt, kann letztlich nur auf Wissen, Bewusstsein und Nachhaltigkeit basieren.